Brief wegen der Verhältnisse in der Stadtbibliothek

An Oberbürgermeisterin Bauer

An den Stadtrat

An die Stadtbibliothek Rosenheim

Werte Damen und Herrn,

 

seit über 30 Jahren bin ich nun Bewohner der Stadt Rosenheim.

Genau solange versuche ich Nutzen aus der Stadtbibliothek zu ziehen.

Ich war anfangs sehr erfreut das es diese Institution überhaupt gibt. Denn in einem kapitalistischen neoliberalen Werte- und Gesellschaftssystem ist das ja eine wirkliche Errungenschaft.

Damals wurden meine Fragen an Bibliothekar Mitarbeiter freundlich beantwortet.

Anregungen wurden nachdenklich zur Kenntnis genommen;

konstruktive Kritik ebenso.

 

Inzwischen bin ich etwas älter geworden. Meine Übersicht wuchs etwas;

die Freude an der Bibliothek sank erheblich.

 

Wenn ich Ihnen berichte das ich eben aus einem bösen Traum aufwachte so ist das keine literarische Phrase.

Das ist ganz wirklich so.

 

Es ist Faschingsdienstag den 5.02.2019 Zwei Uhr nachts.

Schon lange habe ich keinen Büchereinausweis mehr.

Denn der kostet mehr als ich mir als Harz 4 Empfänger leisten will.

Die demütigende Prozedur mir halbjährlich einen Ausweis zur Reduktion der Kosten beim sogenannten „Jobcenter“, welch seltsamer Ausdruck für eine deutsche Behörde, zu besorgen und den dann in der Bibliothek vorzuweisen, mich sozusagen als Bürger zweiter Klasse auszuweisen, diese Prozedur habe ich nur ein mal durchlaufen.

 

Warum sollte ich das auch tun? Bei dieser zensurierten Bücherauswahl!

Buchgeschenke meinerseits, und seien sie versichert es waren keine Jerry Cotton Heftchen, wurden rigoros zurückgewiesen.

Andererseits wurden Anfragen nach Lektüre von Prof. von Ludwiger linkisch abgewiesen mit einer schälen, -faschingsreifen Mine ob es sich dabei vielleicht um „Esoterik“ handele!

 

Politisch unkorrekt?

 

Es sei nur daran erinnert das an hochwertigen Büchern aus dem Themenkreis „Esoterik“ ein weit verbreitetes Interesse in der Bevölkerung besteht.

 

Um auf meinen Traum zurückzukommen.

In diesem frage ich eine Mitarbeiterin nach den Tönen in den Büchern.

In meinem Traum warb die Stadtbibliothek damit das Bücher Töne hätten. Diese Mitarbeiterin rieb einen Bucheinband zwischen den Fingern.

Nach einigen Versuchen kam ein krächzendes misstönendes Geräusch heraus.

Sie selber war erschrocken, ich war verwundert.

 

Im Winter 2018 - 2019 war ich wie immer mal wieder, in der Bibliothek um Zeitschriften zu lesen. Das ist auch ohne Leseausweis erlaubt.

Es war ein erhebliches Treiben im Eingangsbereich und Leseraum. Für kommerzielle Produkte, für die ich mich nicht interessierte, wurde aggressiv geworben.

Parallel dazu konnte man sich vor der Bibliothek im freien auf bereitgestellten Liegen (im Winter!) neben einem Holzfeuer (gutes Buchenholz) vor der Bücherei aufhalten; vielleicht um von besseren Zeiten zu träumen.

 

Dadurch entstand eine erhebliche Unruhe im Leseraum.

Ich beklagt mich über diesen Umstand bei einer Mitarbeiterin.

Was ich denn überhaupt wolle wurde sofort abgeblockt ohne auf meine Argumente einzugehen. Das sei ja nur an einem Tag des Jahres!!

 

Und was war das mit dieser seltsamen „Landesgartenschau“ im Sommer? Fragte

ich provokant. Da wurde, ich weiß nicht wie lange, für Minigärten in der Stadt geworben. Mit ganz erheblichem Aufwand und Präsentationen vor der Bücherei im Freien.

Ich war selber gerne Hobbygärtner solange mir das in der Stadt Rosenheim ermöglicht wurde. Jetzt habe ich leider keinen Garten mehr. Er wurde mir weggenommen.

 

Ist es denn Aufgabe einer Bibliothek Minigärten als Schauobjekte zu betreiben?

Ich begebe mich zurück in den Lesesaal.

Als technikaffiner Mann suche ich nach der Zeitschrift Linux User, einem Computermagazin, und werde wie gewohnt fündig. In dem entsprechenden Kasten, neudeutsch Box genannt, finde ich auch die Zeitschrift Linux Magazin. Ein einzelnes Heft, eingebunden und mit den üblichen Stabi Insignien versehen. Neugierig geworden frage ich eine Bibliotheksmitarbeiterin wo denn die anderen Ausgaben zu finden wären.

 

Sie schaut mich irritiert an und verspricht mir sich zu erkundigen.

Nach einer Weile beobachte ich das sie das Heft dorthin zurücklegt wo ich es gefunden hatte ohne mich eines Blickes zu würdigen. Eine Antwort erwartend laufe ich Ihr hinterher.

 

Die Antwort war diese, ganz selbstbewusst:

„Dieses Heft haben wir gar nicht!“

Ist diese Angestellte Verstandes-mäßig ein wenig zurückgeblieben?

Das wäre ja nicht so schlimm arbeitete sie nicht in einer Bibliothek.

 

Übrigens:

Ich rege an diese Zeitschrift zu abonnieren:

„Raum und Zeit“ Ehlers Verlag

Geld für und die Nachfrage nach diesem Magazin ist gewiss vorhanden.

Auch Platz ist in bisher noch leer stehenen Kästen vorhanden.

 

Wie wäre es denn auch wenn Sie Bücher des einflussreichen deutschen Architekten und Philosophen Rudolf Steiner aufnehmen würden?

Aber möglicherweise erscheinen Ihnen die dort behandelten Inhalte politisch unkorrekt, denn diese Lektüre passt nicht in den aktuellen, materialistischen, neoliberalen Ungeist.

Daher werden Sie meine Anregung wohl nicht aufgreifen wollen.

 

Die Bibliotheksleitung sei aufgefordert. Machen sie nur so weiter.

Dann werden sie bald im Meer der guten Möglichkeiten mit Mann und Maus ersaufen, erkennen sie nicht die Aufgaben die sie bewältigen sollten.

Danach kann nur etwas besseres kommen.

 

Mit freundlichem Gruß

Dietrich Röder

 

P.S.

Ich lese heute in einem staatsfernen, unabhängigen Medium im Internet.

Es gibt inzwischen Sichtungen in Bibliotheken nach politisch unkorrekten Büchern. Die werden dann aussortiert, bez. Neuanschaffungen z.B. aus dem geächteten Kopp Verlag nicht mehr angeschafft.

Na dann "HH"

 

 

 

Antwort der Bibliotheksleitung:

 

 

Ihr Schreiben vom 11.03.2019

 

Sehr geehrter Herr Röder,

 

wir haben Ihr ausführliches Beschwerdeschreiben erhalten. Nachdem sich alle inhaltlichen

Punkte auf das Angebot der Stadtbibliothek beziehen, scheint es uns geboten, dass Sie auch

von uns eine Antwort bekommen.

Wir bedauern, dass Sie sich als langjähriger Bibliothekskunde nicht mehr im Angebot der

Bibliothek wiederfinden. Dass Sie sich bei diversen Gelegenheiten unfreundlich behandelt

gefühlt haben, ganz offensichtlich auch von unterschiedlichen Mitarbeiterinnen der

Bibliothek, ist sicher nicht das, was wir in Auskunft, Beratung und Service für unsere

Bibliothekskunden leisten wollen. Ich kann an dieser Stelle nur versichern, dass alle

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um eine freundliche und kompetente Beratung unserer

Leser bemüht sind. Dass uns dies auch sehr oft gelingt, wird uns von vielen Bibliothekskunden

zurückgemeldet.

 

In den 30 Jahren, die Sie bereits in Rosenheim leben, haben sich Öffentliche Bibliotheken in

Deutschland und in anderen Ländern fortwährend und tiefgreifend verändert. Dies gilt auch

für die Stadtbibliothek Rosenheim. Wir sind ein Haus, das für alle Bürger in Stadt und

Landkreis egal welchen Alters oder welcher Nationalität offen steht.

Als Abteilung der Stadt Rosenheim können wir interessierten Bürgern ein großes und .

vielfältiges Angebot machen mit über 100.000 Medien ob gedruckt oder digital, mit

Veranstaltungen und Aktionen, mit einer hohen Aufenthaltsqualität zu einem sehr moderaten

Nutzungsentgelt.

 

Ob die Bürger dieses Angebot ihrer Stadt annehmen oder nicht, bleibt selbstverständlich die

Entscheidung eines jeden Einzelnen. Und so verstehen wir selbstverständlich auch Ihre

Entscheidung, sich über andere Medien oder das Internet zu informieren oder auszutauschen,

wenn Sie das Angebot der Bibliothek nicht anspricht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Susanne Delp 

Bibliothekleitung 

 

 

Sehr geehrte Frau Delp


ich erlaube mir auf Ihr Schreiben vom 21.03.2019 zu antworten.

Der Inhalt Ihres Schreibens lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:


Wenn es Ihnen bei uns nicht passt dann gehe sie eben woanders hin.

Ansonsten drücken Sie mit Ihren 248 Worten gar wenig aus.


Ich darf sie aber daran erinnern daß Sie als Angestellte des öffentlichen Dienstes mir zu Diensten zu sein haben, denn sie leben ausschließlich von Steuern und den Benutzungsgebühren. Also auch von meinen gezahlten Steuern!

In keinem Punkt sind sie konstruktiv auf meine Kritiken eingegangen.

Dies scheint die übliche Arroganz zu sein die sich in der öffentlichen Verwaltung in den letzten Jahrzehnten breit gemacht hat.

Sie gehen insbesondere nicht darauf ein das Ihr Medienangebot sich nicht mit der Nachfrage von Bürgern der Stadt Rosenheim deckt.

Das ist nicht zu akzeptieren!


Es ist ein leichtes potenzielle Nutzer der Bibliothek deren Denk- und Kritikvermögen über das staatlich erwünschte Maß hinausgeht, abzuschrecken.


Diese Nutzer wenden sich dann frustriert von der Bibliothek ab.

Die Bibliothek wird dann bevorzugt von unkritischen Geistern benutzt die sich mit einer lauen Auswahl von Texten zufriedengeben. Unvoreingenommenes und kreatives denken, was heute so notwendig ist, wird auf diese weise aktiv unterdrückt.

Sie können dann aber auf die vielen zufriedenen Bibliothekskunden verweisen, denn die Zufriedenheit (Zitat) wird von vielen Bibliothekskunden zurückgemeldet“.

Das finde ich zynisch.



Beinahe nirgendwo kann man sich in „Ihrer“ Bibliothek fundiert über brennende Zeitfragen Informieren, es sei denn die Inhalte sind von den etablierten Kräften der Gesellschaft, allen voran den politischen Parteien, abgesegnet. So kommt es mir jedenfalls vor.

Auch aus den staatlichen, den sogenannten öffentlich rechtlichen Medien, kommen kaum relevante Informationen zu den Bürgern, denn diese Medien wurden zunehmend gleich geschaltet.

Wenn Sie meinen ich irre in diesem Punkt kontaktieren sie doch einmal Spezialisten auf diesem Gebiet. Ich schlage dafür ältere „gelernte“ DDR-Bürger vor. Wie ich weiß fühlen sich diese sich an frühere Zeiten erinnert.


Zu den wichtigen Themen, zu denen ich mich nicht fundiert in der Bibliothek informieren kann, gehören:


  • Flüchtlingskrise, 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht

  • tausende ertrinkende Menschen im Mittelmeer

  • Ausbeutung der afrikanischen Länder als Ursache der Flüchtlingsprobleme

  • unkontrollierbares Geldsystem steht vor dem Kollaps

  • überschuldete Staaten weltweit incl. USA mit Weltleitwährung

  • ungebremster Ausbau der Macht der internationalen Konzerne

  • Schere zwischen Arm u. Reich wächst seit Jahrzehnten ungebremst

  • Staatsterrorismus und Beschneidung der bürgerlichen Rechte unter dem Mäntelchen der Terrorbekämpfung (schon Helmut Schmidt wußte das)

  • Kriegsvorbereitungen gegen Russland

  • Miesere des Bildungssystems der deutschen Länder

  • Alle leiden an diesem Bildungssystem Eltern, Lehrer, Schüler die Gesellschaft als ganzes.

  • junge Menschen müssen von den Ausbildungsstätten (Handwerksbetriebe oder Universitäten) nach geschult werden damit sie aus-bildungsfähig werden. (Deutschland; das Land der Dichter und Denker?)

  • marodes Gesundheitssystem und Pflegekrise

  • Altersarmut jetzt und in Zukunft sowieso

  • Kriegsgefahr in Europa durch Ukrainekrise, Russland-hetze sowie

  • militärische Aufrüstung des Westens


Ideologische Indoktrination schon in den Schulen:

  • Materialismus als ein Glaubenssystem der den Menschen als biotechnische Maschine definiert mit der Folge das Menschenrechte nicht mehr eingehalten werden, denn Maschinen haben keine Rechte

  • Liebe ist das Ergebnis von Hormon -ausschüttungen im Körper.

  • Unterschwellig: Russland ist unser Feind weil Russland aggressiv ist


Das sind nur einige Themenschwerpunkte, mit denen sich eine Bibliothek sinnvollerweise beschäftigen könnte.


Ich meine das die Literaturauswahl und die Auswahl von Zeitungen sich auch an den heutigen Problemen orientieren muß.

Ich kann nicht feststellen daß das der Fall wäre.

Stattdessen lassen sie im Winter draußen im Freien Feuerchen abbrennen,

lassen für kommerziellen Textildruck werben, inszenieren Minigartenschauen im Sommer usw.


Sie schreiben das sich in den letzten 30 Jahren öffentliche Bibliotheken tief greifend verändert hätten.


Hierbei interessiert mich, als Mitfinanzierer dieser Stadtbücherei s. o. , in welche Richtung diese Veränderungen, Ihrer Meinung nach, gegangen sind, welche Tendenz sie haben. Gibt es eine übergeordnete Institution an der Sie sich bei Veränderung der Bibliothek Rosenheim orientierten?

Von welchen Einflüssen aus der Politik oder den politischen Parteien wird diese Veränderung beeinflußt? Behaupten Sie bitte nicht das es keine Einflussnahme durch die Politik gibt, denn das wäre weltfremd.


Wie erkennen sie die Interessen und Wünsche der Bibliotheks-Besucher oder solcher Menschen die es einmal gewesen sind?


Dieses sind sehr ernst gemeinte Fragen, auf die ich eine substanzielle Antwort, von Ihnen oder Ihren Vorgesetzten, erhalten möchte!


Ich kann mich erinnern daß ich von der Bibliothek vor vielen Jahren einmal einen Fragebogen erhielt.

Damals habe ich diesen Fragebogen unbeantwortet gelassen da mir Ihre Fragen vollkommen irrelevant vorkamen.

Nicht nur mein eigener Eindruck ist:

Die breite Masse, in diesem Falle also die Gesamtheit der Bibliotheksbenutzer wird gefragt wenn es um nichts Wesentliches geht.

Die wichtigen Entscheidungen fallen unter Ausschluß der Öffentlichkeit.



Verteiler:


Stadtrat

Bürgermeisterin

Internet: www.wasserwiesen.de